Zeit für Oxalsäurebehandlung !

Bei der Entwicklung der Bekämpfungsmaßnahmen gegen die Varroamilbe wurden wirksame Behandlungsmittel, Anwendungsformen und Dosierungen empirisch, das heißt durch Austesten verschiedener Möglichkeiten am Bienenvolk gefunden. Dies gilt auch für die Oxalsäure. In einem europäischen Projekt zur „Integrierten Varroa-Bekämpfung“ wurde zwischen 1999 und 2003 anhand zahlreicher Feldversuche in verschiedenen europäischen Ländern die heute gültige Behandlungsvorschrift und Dosierung erarbeitet: einmaliges Träufeln einer 3,5%igen Oxalsäuredihydrat ad us. vet. Zucker-Wasser-Lösung. Die Zugabe von Zucker erhöhte sowohl die Wirksamkeit als auch die Verträglichkeit der Oxalsäure. Eine zweimalige Anwendung führte vor allem im gemäßigten Klima zu teilweise gravierenden Völkerverlusten, weshalb heute nur die einmalige Anwendung empfohlen wird.
Die Oxalsäure wirkt vor allem über Kontakt, worauf auch die bei uns nicht zugelassenen Anwendungsformen, das Sprühen und Verdampfen, hinweisen. Ein kleiner Teil der Oxalsäure wird aber offensichtlich auch von den Bienen aufgenommen, wie mit Hilfe von radioaktiven Isotopen nachgewiesen werden konnte. Allerdings weigerten sich die Bienen in unseren Käfigversuchen, die Suspension freiwillig aufzunehmen. Oxalsäure, mit der die Bienen nicht in direkten Kontakt kommen, zum Beispiel Tropfen auf den Wabenschenkeln, ist verloren und trägt nicht mehr zur therapeutischen Wirkung bei (siehe Bild). Damit beim Träufeln möglichst viele Bienen mit der Oxalsäurelösung in Kontakt kommen, wird empfohlen, sie möglichst bei einer eng sitzenden Wintertraube zu verabreichen.
Dr. Wolfgang Ritter
Ritter@bienengesundheit.de
 

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